Tattoos

Unerwartete Effekte: Tattoo-Farbstoffe wandern als Nanopartikel in Lymphknoten und ändern Proteinstrukturen

Wie Tätowier-Farbstoffe im Körper verteilt und verstoffwechselt werden, ist weitgehend unklar. Trotz der toxikologischen Wissenslücken erweitert sich das Spektrum der angebotenen Farbstoffe ständig. Erlaubt ist, was nicht nachweislich mit Gesundheitsrisiken verbunden ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin hat Verteilung und Eigenschaften von Tattoo-Farbpigmenten im Gewebe von tätowierten Verstorbenen untersucht.

Kernbotschaften

Tätowier-Farbstoffe wandern als Nanopartikel in Lymphknoten, reichern sich dort dauerhaft an, erhöhen den Fettgehalt des Gewebes und verändern die räumliche Struktur von Proteinen. Entzündungen und andere immunologische Reaktionen können Langzeiteffekte sein.

Hauptergebnisse

Pigmente aus Tätowierfarben, darunter Kupfer-, Eisen- und Bromvarianten der Phthalocyanine , aber auch Titandioxid wurden als Partikel in Nanometergröße (50 nm und weniger) und teilweise stark angereichert im Gewebe von Tätowierten gefunden. Diese sehr kleinen Teilchen haben vermutlich andere biologische Eigenschaften inklusive der Migrationsfähigkeit als die bereits früher in Lymphknoten nachgewiesenen größeren Moleküle aus Pigmenten . Der Proteingehalt des umliegenden Gewebes ist verringert, der Fettanteil erhöht, die räumliche Konformation von Proteinen wird beeinflusst.

Design

  • Untersuchung der Gewebe von tätowierten und nicht tätowierten Verstorbenen auf Verteilung und Größe von Farbstoffbestandteilen.
  • Methoden: Mikroskopie von Gewebeschnitten, Röntgenfluoreszenzanalyse und Massenspektrometrie.

Klinische Bedeutung

Zehn bis 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben Tattoos, in der Altersgruppe der 25- und 35- Jährigen ist es knapp jeder Vierte, Tendenz: steigend.

Schwere Nebenwirkungen sind offenbar selten oder nicht dokumentiert, häufig aber sind Beschwerden, die Patienten zum Arzt führen. Eine frühere Studie mit 3411 Tätowierten aus Deutschland ergab bei zwei Dritteln akute und bei 6 % persistierende Probleme wie intermittierend auftretende Schwellungen, Papeln, Juckreiz und Narbenbildung.

Die aktuellen Daten des BfR könnten eine Erklärung dafür sein und machen deutlich, wie groß der Forschungsbedarf ist.

 

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