Immunsystem

Abwehrkräfte für die Winterzeit – das Immunsystem auf natürliche Weise für die kalte Jahreszeit stärken

Winterzeit ist Erkältungszeit, dieser Spruch ist eine Volksweisheit und bewahrheitet sich wohl jedes Jahr erneut. Für die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte (Immunsystem) in der Saison von Erkältungsviren und –bakterien stehen zahlreiche natürliche Mittel zur Wahl. Der folgende Beitrag soll die medizinischen Grundlagen zu Erkältungskrankheiten kurz und verständlich darlegen und im Anschluss über die verschiedenen Methoden zur Stärkung der Abwehr informieren.

 

Was es biologisch gesehen bedeutet, eine Erkältung zu haben

In der Winterzeit, auf der nördlichen Halbkugel des Globus ist dies etwa die Zeit von Oktober bis März bzw. April, sind alle Altersgruppen häufig von Erkältungsinfekten betroffen. Erkältungsinfekte sind Infekte sowohl der oberen als auch potentiell der unteren Atemwege (ab Kehlkopf abwärts). Typische Krankheitszeichen können Husten (Tussis), Schnupfen (Rhinitis), Halsschmerzen mit Halsentzündung (Pharyngitis), Ohrenschmerzen (Otalgie), Kopfschmerzen (Cephalgie) und gegebenenfalls auch Fieber (Körpertemperatur ist gleich und größer als 38,0°C)  sein. Auslöser von Infekten der Atemwege zur Winterzeit sind Viren wie zum Beispiel Adenoviren, humane Rhinoviren (HRV), humane Metapneumoviren (HMPV), Parainfluenzaviren oder Influenzaviren. Im Sommer hingegen sind Enteroviren (RNA-Viren) häufige Auslöser. Influenzaviren sind die Erreger der echten Virusgrippe (kurz Grippe, Influenza) und sollten wegen möglicher Komplikationen im Erkrankungsverlauf gesondert betrachtet werden (s. Worauf ich achten sollte). Weitaus seltener als Viren kommen Bakterien als Erreger von Atemwegsinfekten in Frage. Eine Infektion der Schleimhäute in den Atemwegen (Respirationstrakt) verursacht in der Regel eine Entzündung (Inflammation). Die Hauptanzeichen dieser Entzündung (Schwellung, Rötung, Hitze, Schmerz, eingeschränkte Funktionsfähigkeit) verspürt man als Krankheitssymptome. Körpereigene Botenstoffe (Entzündungsmediatoren) aus Zellen des Immunsystems verstärken die Beschwerden und halten sie zum Teil aufrecht. Zur Winterzeit, wenn die Temperaturen etwa unter zehn Grad Celsius fallen, reagiert der Körper reflexartig (nicht willkürlich steuerbar) mit einer Verengung der Blutgefäße in der Atemwegsschleimhaut. Diese Blutgefäße jedoch sind eigentlich genau die „Straßen“ der Immunzellen hin zum Ort der Erregerabwehr. Mengenmäßig zirkulieren in einem definierten Zeitraum weniger abwehrende Immunzellen durch enge Blutgefäße als durch weite Blutgefäße.  Bei Kälte ist folglich das Immunsystem in seiner Funktionsfähigkeit in einem gewissen Maße eingeschränkt. Zudem versammeln sich in der kalten Winterzeit für gewöhnlich häufiger größere Menschenmengen in warmen, geschlossen Räumen ohne erwähnenswerte Luftzirkulation. Somit wird die Ausbreitung der Krankheitserreger auch noch erleichtert und die Ansteckungsgefahr erhöht.

Ist der Körper erst einmal mit Krankheitserregern infiziert, stellt die Entzündung, trotz unangenehmer Beschwerden, eine notwenige Abwehrreaktion des Körpers dar. Neben klassischen, schulmedizinischen Wirkstoffen (antivirale Medikamente, Antibiotika und weitere symptomatische Therapiemöglichkeiten), kann man die Zellen des Immunsystems mit natürlichen Verfahren und Mitteln stärken. Im besten Fall kann sogar schon die Entstehung eines Erkältungsinfektes im Winter verhindert werden [1][2].

 

Natürliche Mittel und deren Wirkung zur Stärkung der Abwehrkräfte

 

Eine ausgewogene Ernährung kann fit halten

Ein gutes Mittel zur Stärkung der Abwehrkräfte nicht nur in der kalten Jahreszeit, sondern natürlich auch zur allgemeinen Gesunderhaltung des Organismus,  ist eine ausgewogene Ernährung. Neben einer bilanzierten Verteilung der drei Hauptnährstoffkomponenten Fett, Eiweiß (Proteine) und Kohlenhydrate, ist die Zufuhr von Vitaminen (z.B. Vitamine E, D, K, A) und Spurenelementen elementar für verschiedene Körperfunktionen. Der tägliche Bedarf kann durch eine an allgemeine Ernährungsempfehlungen angelehnte Zufuhr von Obst, viel Gemüse und beispielhaft Fisch gedeckt werden. Spurenelemente wie Zink spielen im Hinblick auf das Immunsystem eine relevante Rolle, unter anderem bei der Stimulation von Immunzellen (T-Lymphozyten) und vielem mehr.

 

​Zink als Helfer des Immunsystems

Die Einnahme von Zink-Lutschtabletten soll die Abwehrkräfte stärken können und im Falle einer Erkältung die Erkrankungsdauer geringfügig verkürzen. Der genaue Wirkmechanismus zu dieser Beobachtung ist bislang noch ungeklärt[3]. Die empfohlene Dosis ist ≥ 75 mg Zink pro Tag sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern.

 

Probiotika lassen keinen Platz für krankmachende Keime

Probiotika, also Nahrungsmittel wie Joghurt mit nützlichen Bakterien (z.B. Lactobacillus species), sollen ein Krankheitserreger-unfreundliches Milieu aufbauen. Die nützlichen Bakterien besiedeln in großer Zahl den Darm als ihre sogenannte ökologische Nische. Wenn sich erst einmal diese zum Teil sehr robusten nützlichen Keime einen Lebensraum im Darm geschaffen haben, lassen sie krankmachenden Keimen buchstäblich keinen freien Platz zum Ansiedeln und Vermehren. Tatsächlich zeigten Studien mit Kindern, die 90 Tage lang täglich einen probiotischen Drink einnahmen, einen möglichen Nutzen zur Stärkung der Abwehrkräfte[4].

 

Vitamin C und D als Stärkung für das Immunsystem – oft empfohlen, aber hilft es auch?

Für die Vitamine C und D werden wichtige Funktionen im Ablauf grundlegender immunologischer Prozesse vermutet und eine (zusätzliche) Zufuhr wird daher landläufig zur Unterstützung des Immunsystems oft angeraten. Eine zusätzliche Aufnahme von Vitamin C (0,2-3 g pro Tag, Synonym: Ascorbinsäure) beziehungsweise Vitamin D (400 IU pro Tag, Synonym: Calciferol) zeigte in Studien jedoch in der Praxis keinen nachweislichen Nutzen zur Stärkung der Abwehrkräfte [5],[6].

 

Knoblauch als Wunderwaffe im Kampf gegen krankmachende Keime?

Knoblauch (Allium sativum) enthält Lauchöl, mit dem Hauptwirkbestandteil Allicin. Dieser Substanz werden sowohl antibakterielle als auch antimykotische (gegen Pilze) Eigenschaften zugeschrieben[7]. Jedoch konnte auch für eine zusätzliche Einnahme von Allicin-Pulver (180 mg) kein klarer Nutzen zur Abwehr von Erkältungen gezeigt werden[8].

 

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Neben Maßnahmen zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte steht auch die Vermeidung potentieller Ansteckungsquellen im Vordergrund, um den Winter gesund und möglichst erkältungsfrei zu überstehen. Allgemeine Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, seltenes Händeschütteln, der Gebrauch von Desinfektionsmitteln und Schutzhandschuhen beziehungsweise Atemschutzmasken wurden in zahlreichen Einzelstudien analysiert. Ein möglicher Nutzen zur Abwehr einer Infektion mit Krankheitserregern konnte nur unter Vorbehalt abgeleitet werden[9].

 

„Zieh dich warm an, sonst verkühlst du dich noch!“ – ist das wahr?

Weitere, laut Studien tatsächlich nützliche natürliche Maßnahmen zur Stärkung der Abwehrkräfte sind regelmäßiges Gurgeln von Leitungswasser zur Befeuchtung der Atemwege sowie die Vermeidung von kühler Zugluft, damit die Atemwege nicht austrocknen oder abkühlen [10].

 

Sport für die Gesundheit

Entgegen der allgemeingültigen Meinung, Sport/Bewegung hält gesund, zeigten Studien zum Einfluss körperlicher Aktivität auf eine Stärkung des Immunsystems uneinheitliche Ergebnisse[11]. Untersucht wurden 45-minütige moderate Bewegungseinheiten an fünf Tagen der Woche. Laut Selbstauskunft litten sporttreibende Studienteilnehmer geringfügig seltener an banalen Erkältungen. Labortechnisch nachgewiesen wurden jedoch bei sporttreibenden wie auch bei nicht sporttreibenden Studienteilnehmern gleich viele Infekte der oberen Atemwege (z.B. Grippe) pro Jahr.

 

Worauf ich achten sollte

Eine grundsätzliche Abschirmung oder ein 100 %iger Schutz vor Erkältungen in der Winterzeit ist nicht möglich. Erkältungsinfekte sind in der Regel selbstlimitierend, das heißt sie klingen nach ein bis zwei Wochen ab. Allerdings können sich einige Symptome wie Husten noch hartnäckig darüber hinaus halten. Sollten Symptome wie zum Beispiel Fieber nicht innerhalb einer Woche abklingen oder sich sogar verschlimmern, sollte spätestens dann ein Arzt zu Rate gezogen werden. Auch bei banalen Erkältungsinfekten ist stets Vorsicht geboten. Dies gilt ebenso bei augenscheinlich unkomplizierten Verläufen sowie bei sehr jungen oder auch sehr alten beziehungsweise immungeschwächten Patienten[12].

Die echte Virusgrippe oder Influenza ist prinzipiell, im Gegensatz zu banalen Erkältungsinfekten, eine ernstzunehmende Infektionskrankheit mit namentlicher Meldepflicht an das Gesundheitsamt zu Seuchenschutzzwecken. Dies ist Aufgabe des diagnostizierenden Arztes. Bei komplizierten Verläufen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine medikamentöse antivirale Therapie, beispielsweise mit Wirkstoffen aus der Wirkgruppe der Neuraminidasehemmer (Oseltamivir), über standardmäßig fünf oder verlängert bis zu zehn Tagen. Diese Therapieentscheidung muss, möglichst früh, von einem Arzt getroffen werden[13].

Alle Maßnahmen, egal, ob natürliche Mittel oder schulmedizinische Arzneiwirkstoffe, sollten stets in Anpassung an das Geschlecht, das jeweilige Alter und Körpergewicht beziehungsweise die individuelle körperliche Leistungsfähigkeit adaptiert werden. Beispielsweise unterschieden sich die empfohlenen Tagesempfehlungen für die Zufuhr bestimmter Vitamine je nach Alter, Geschlecht und anderen besonderen Umständen (Schwangerschaft etc.).

Die gemachten Angaben sind gewissenhaft recherchiert und durch Studien belegt, jedoch können sie in keinem Fall die individuellen Ratschläge und Empfehlungen eines Arztes ersetzen.

 

 

[1]Dolin R et al.: „Häufige Virusinfektionen der Atemwege“, Harrisons Innere Medizin Band 2, ABW Wissenschaftsverlag, 18. Auflage, Berlin, 2012, S. 1596ff.

[2]Pöhlmann S et al.: „Orthomyxoviren: Influenza“, Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, 7. Auflage, Springer Verlag, 2012, S. 476 ff.

[3]Singh, M. et al.: „Zinc for the common cold“, The Cochrane Library, (online 13.02.2015).

[4]Allan, M et al.: „Prevention and treatment of the common cold:

making sense of the evidence“, http://www.6minutes.com.au/getmedia/671e07ee-d769-407e-b3b2-91e2605b12e9/treating-colds-paper.aspx (online 13.02.2015).

[5]Allan, M et al.

[6]Pschyrembel, Willibald, Bach, Martina (Hrsg.): Klinisches Wörterbuch. 262.; neu bearbeitete und erweiterte Auflage, de Gruyter 2004, S. 179.

[7]Pschyrembel (2004): S. 1074.

[8]Allan, M et al.

[9]Allan, M et al.

[10]Allan, M et al.

[11]Allan, M et al.

[12]Dolin (2012): S. 1596ff.

[13]Pöhlmann (2012): S. 476 ff.